Vorneweg: Es war meine erste Erfahrung, mich bewusst für drei Tage in die Stille zurückzuziehen. Ohne Internet. Ohne Telefonverbindung. Ohne Meetings. Ohne Nutella. Einfach nur Gott, ich, Bibel, Schreibzeug, Tagebuch, Lobpreis-CDs, Wasser und gesunde Säfte. Das war´s!
Motivation
Auch wenn sich solche Auszeiten bestens dafür eignen, einen Herzinfarkt oder einen Burnout zu vermeiden, ist das nicht mein Antrieb gewesen. Es war einfach der Wunsch, Gott zu erleben! Sein Reden stärker als im Alltag wahrzunehmen, intensiver als in den morgendlichen Begegnungen und ungewohnter als es im Laufe des Tages geschieht!
Ich bin gerne mit Gott zusammen. Das ist es. Mehr nicht. Aber vielleicht ist da doch noch etwas mehr, und zwar der Wunsch, Wichtiges mit Gott zu besprechen und ihn um Hilfe zu bitten – für mich, für meine Familie , für meine engsten Freunde, für die Leiter in der Gemeinde, für die KfO-Mitglieder, für…
Tagesordnungspunkte
Es gab keine TOP´s. Die „Tagesordnungspunkte“ ergaben sich „von alleine“. Rückblickend verliefen meine drei Tage folgendermaßen:
1. Ausrichtung auf Gott
Gestartet habe ich mit guter Lobpreismusik und der Bibel in der Hand. Hier ein paar Notizen nach den ersten Stunden aus meinem Tagebuch: „Ich habe den Eindruck, dass mein Kanal zu Gott irgendwie verstopft ist bzw. eingeengt. Auch werde ich abgelenkt von unwichtigen Gedanken. Habe eine leise Sehnsucht, Gott ungestört zu begegnen (…) Dennoch möchte ich einen Lobpsalm für Gott schreiben…“
Das Schreiben des Psalm 151 hat mir geholfen, Gott zu begegnen. Auf den Knien, mit erhobenen Händen usw. Es war ja keiner in der Nähe – außer Gott.
2. Bitte um Vergebung meiner Schuld
In der Anbetung vor Gott ist mir meine Schuld vor Gott bewusst geworden. So habe ich den zweiten Punkt mit dem Psalm 51 eingeleitet. Dazu gute Instrumentalmusik im Hintergrund. Hier einige Zeilen aus meinem Tagebuch: „Gott, öffne mir die Augen für meine Schuld. Mein Egoismus macht mich blind für Sünde. Lass mich erkennen, was dir missfällt. Denn ich bin viel stärker mit Schuld beladen als ich oft denke. Ich will ein Herz, dass dir allein gehört – völlig! Ich will immer wieder vor dir zerbrechen. Denn ohne dich bin ich verloren! In folgenden Bereichen entdecke ich Schuld bei mir: …“
3. Gebet, Gebet, Gebet
Meine Familie, meine persönlichen Anliegen, eine Liste mit persönlichen Anliegen vom KfO-Leitungsteam, die ganze Gemeindeliste sowie viele Anliegen, die mir in den Sinn kamen habe ich vor Gott gebracht. Teilweise in Form von „Ausschütten vor Gott“ oder einfach nur hörend, was für die Person dran ist. Wenn Gott mir etwas aufs Herz gelegt hat, habe ich es mir in meiner „Stille Tage-ToDo-Liste“ aufgeschrieben. Die ersten ToDo´s habe ich bereits erledigt. Das Echo der Beteiligten war positiv – Gott sei Dank. Muss aber nicht immer so sein. Übrigens, die Liste mit den Anliegen ist sehr lang geworden. Ich will diese Anliegen immer wieder vor Gott bringen, auch außerhalb der Stillen Tage. Denn ich weiß, dass ich bald vieles abhacken kann. Gott lässt sich auf uns und unser Gebet ein!
4. Bibellese
Das Lukasevangelium war mein Begleiter. Nicht ganz, aber mehrere Kapitel. Mein Schwerpunkt lag nicht auf dem vielen Lesen, sondern auf dem Vertiefen und Nachdenken – über Jesus, über mich, über… Ein kleiner Ausschnitt von den vielen Impulsen, die ich aus den Lukaskapiteln mitnehme: „>Warum esst und trinkt ihr mit den Zolleinnehmern und ähnlichem Volk?< Jesus scheute keine Kritik. Sein Auftrag, „zu suchen, was verloren ist“ und seine „Barmherzigkeit“ war ihm wichtiger als ein guter Ruf!!! (Vgl. die Geschichte von der Begegnung mit der Hure – krass!)“
5. Reflexion
Dann, oder immer wieder habe ich unter dem Stichwort „Reflexion“ aktuelle und wichtige Dinge mit Gott besprochen und einiges angedacht: “In welche 10 Leute soll ich langfristig investieren“ usw.
6. Jahrespsalm 2010
Seit einigen Jahren pflege ich die Gewohnheit, mir einen Jahrespsalm zu suchen, der meine Jahresplanung und meine neu gewonnenen Werte widerspiegeln. Da ich das in meiner Jahresplanung zwischen Weihnachten und Neujahr nicht mehr geschafft hatte, musste ich diesen Punkt noch nachholen. Hier der Psalm für 2010 (Psalm 21,7-8 in Übertragung auf mich):
„Du segnest mich mein ganzes Leben lang,
mich selbst und alles, was ich tue.
Durch deine Nähe erfüllst du mich mit Freude.
Herr, ich verlasse mich auf dich.
Gott, du Höchster, durch deine Güte
stehe ich sicher und fest.“
Für mich hat jeder Satz eine wichtige, aktuelle und tiefe Bedeutung.
Resümee
Wie erwähnt, hatte ich die TOPs nicht geplant. Es kam so. Stille Tage: Ich genieße die Zeit mit Gott. Er hält mich in seinem Arm. Er liebt mich und genießt die Zeit mit mir – trotz meiner Ablenkungen.
Buchtipp: „psst … Stille finden in einer lauten Welt“ von Jürgen Werth. Erschienen bei GerthMedien.